„Entkolonialisierung geschieht nicht durch die Änderung einiger Straßennamen“, sagt der Politikwissenschaftler Joshua Kwesi Aikins. Die Mohrenstraße liegt im Berliner Ortsteil Mitte. Schmucke Gründerzeithäuser säumen noch heute die im Krieg schwer zerstörte Ost-West-Verbindung zwischen Wilhelmstraße und Hausvogteiplatz südlich des Gendarmenmarktes.

Geht es nach der zuständigen Bezirksverordnetenversammlung, soll die Mohrenstraße künftig nach Anton Wilhelm Amo heißen, einem afrodeutschen Philosophen, der 1734 als erster in Afrika geborener Gelehrter im Preußen promoviert wurde.

Aikins ist Mitglied der „Initiative Schwarze Menschen in Deutschland“ (ISD), die sich seit langem im Bündnis mit anderen Organisationen für die Namensänderung einsetzt. Auch der gleichnamige U-Bahnhof sollte umgetauft werden, verlangt die IDS. „Mohr bedeutet im Griechischen dunkel oder schwarz“, erläutert Aikins, der an der Universität Kasse promoviert und zuvor auch in Ghana studiert hat. „Im deutschen Sprachgebrauch aber“, sagt er, „bedeutet Mohr dumm oder primitiv.“

Soll umbenannt werden: die Mohrenstraße in Berlin-Mitte

Afrika – in Berlin aufgeteilt

Es war vermutlich die „Black Lives Matter“-Bewegung, die den Anstoß dazu gab, dass der Bezirksrat von Berlin Mitte (BVV) kürzlich für die Umbenennung der Mohrenstraße stimmte. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) entschieden, die U-Bahn-Haltestelle in „Glinkastraße“ umzubenennen, was allerdings am Antisemitismus eines russischen Komponisten mit diesem Namen scheiterte.

Gleichwohl hat die Entscheidung der Bezirksvertretung von 2018, die Straßen im Afrikanischen Viertel Berlins umzubenennen, Symbolcharakter. Sie steht für den langwierigen Kampf gegen einen Rassismus, der auf die lange verdrängte Geschichte des deutschen Kolonialismus verweist. 

Die Mohrenstraße verläuft durch die Altstadt der ehemals preußischen Stadt, ganz in der Nähe des umstrittenen wiederaufgebauten Berliner Stadtschlosses, von wo aus die kolonialen…