Der Wald brennt, und wir alle sind die Bäume. Die ­Funken springen von Baum zu Baum. Und je stärker der Wind, desto schneller steht der Forst in Flammen. So beschreibt einer der Artikel, die die Linguistin Elena Semino für ihre Analyse ausgewertet hat, die Aus­breitung der Corona-Pandemie. Die Windstärke steht dabei für die Reproduktionszahl, die Funken sind die Viren, die von Mensch zu Mensch übertragen werden.

Semino ist Expertin für Metaphern, sie hat deren Macht unter anderem in Bezug auf Krebserkrankungen analysiert. Mit Feuerbildern, so das Ergebnis ihrer neuen Untersuchung, lasse sich die Bedrohung durch die Pandemie am besten veranschaulichen – sie funktionieren in vielen Sprachen. Feuermetaphern gehören „zweifellos zu den nützlichsten sprachlichen Werkzeugen, die uns zur Verfügung stehen“, schreibt die Wissenschaftlerin. Unter einem Waldbrand könne sich jeder etwas vorstellen, auch ohne selbst schon einmal einen erlebt zu haben.

Die vielfach bemühte Meeresmetaphorik ist zwar ähnlich eingängig, stößt aber schnell an ihre Grenzen. Feuer ist vielseitiger: Wie ein Brand verläuft die Seuche in Phasen, mal flammt sie auf, mal lodert sie nur noch, mal taucht sie, schon besiegt geglaubt, in kleinen Glutnestern wieder auf. Abstand und Quarantäne wiederum entziehen dem Feuer die Nahrung, Masken bremsen die Viren, die von Menschen ausgeatmet werden und wie Funken neue Feuer entfachen. Und so wie eine Holzhütte schneller Opfer von Flammen werden kann als ein massiv gebautes Haus, so trifft auch die Pandemie die Armen härter als die Reichen.

Noch etwas, finde ich, macht die Feuer­bilder überlegen: Während Wellen immerfort an die Küsten schwappen, ist jeder Brand auch irgendwann gelöscht. Bis dahin gilt es, die vielen kleinen Feuer in Schach zu halten. Bleiben Sie gesund.

Herzlich

Ihre Julia Koch

(Feedback & Anregungen?)

Abstract 

Was die Wissenschaft diese Woche beschäftigte:

Apfeltriebsucht und Birnenverfall – das klingt grausig genug. Umso ungünstiger,…