Die mediale Weltöffentlichkeit scheint immer wieder im Zeichen kollektiver Aufregung zu stehen. Auch Deutschland kommt seit den heftigen Diskussionen um die Flüchtlingskrise 2015 und deren Folgen, der Debatte um #MeToo ab Herbst 2017, der globalen Klimadebatte, seit der politischen Intervention Black Lives Matter und nicht zuletzt aufgrund der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen der deutschen Bundesregierung nicht mehr zur Ruhe.

Wie das jahresübliche Aufreger-Thema im sogenannten „Sommerloch“ wirkt dagegen die Debatte rund um die Absage einer Lesung der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart. In der Berichterstattung fiel neben altbekannten Vorwürfen wie „Zensur“ und „Hexenjagd“ auch mehrfach das neue Modewort „Cancel Culture“.

Spitze Zunge: Kabarettistin Lisa Eckhart sorgt derzeit für Aufregung in der Kulturszene

Der Begriff steht zwar noch nicht im deutschen Sprachlexikon „Duden“, wird er aber vermutlich bald. Der aus den USA importierte Ausdruck beschreibt das vermeintlich neue Phänomen, dass prominente Personen oder deren persönliche Äußerungen im Internet von einer weiteren Person oder Gruppe „gecancelt“, also im übertragenen Sinne „ausradiert“ werden. Dadurch sollen sie vor allem in den sozialen Netzwerken nicht mehr auftauchen.

Breites Spektrum angeblicher „Auslöschung“

In den Fokus einer breiten Öffentlichkeit rückte „Cancel Culture“ durch einen offenen Brief der „Harry Potter“-Autorin J.K. Rowling und anderen bekannten AutorInnen wie Margaret Atwood, der im Juli 2020 auf der Website des „Harper’s Magazine“ erschien. Darin beklagen die Unterzeichner eine „massive Einschränkung“ der öffentlichen Meinungsdebatte. Rowling war kurz zuvor im Netz für ihre Äußerungen über Transfrauen scharf angegriffen worden. 

Unter den Begriff „Cancel Culture“ fallen ganz unterschiedliche Handlungen: das simple Blocken eines Twitter-Accounts im Netz, die Entfernung von Statuen oder Denkmälern, beispielsweise ehemaliger Nationalhelden oder die Absage…