Gesundheitsminister Alex Azar ist nach Angaben der US-Regierung der ranghöchste Vertreter der Vereinigten Staaten, der seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Washington und Peking im Jahr 1979 die Regierung von Taiwan besucht. Doch China gefällt die Visite des Ministers auf der Insel nicht.

Peking warnte Washington vor einem „Spiel mit dem Feuer“. China sei gegen jeden offiziellen Austausch zwischen den USA und Taiwan, „egal unter welchem Vorwand“, sagte ein Sprecher des Außenministeriums. An die Adresse der Führung in Taiwan gerichtet sagte er, das Streben nach Unabhängigkeit sei „eine Sackgasse“.

Peking betrachtet die südlich vom chinesischen Festland gelegene Insel Taiwan als abtrünnige Provinz, die wieder mit der Volksrepublik vereinigt werden soll – notfalls auch mit militärischer Gewalt. Während sich die chinesische Führung und Washington in den vergangenen Jahren immer weiter voneinander entfernt haben, haben sich die Beziehungen Taiwans zu den USA deutlich verbessert.

Azar besuchte Schrein

Am letzten Tag seines dreitägigen Besuches auf der Insel vor der chinesischen Küste besuchte Azar einen Schrein zu Ehren des verstorbenen Ex-Präsidenten Taiwans, Lee Teng Hui, der vergangenen Monat im Alter von 97 Jahren gestorben war. Azar lobte dessen Rolle beim Übergang Taiwans zur Demokratie.

Taiwan hatte sich 1949 von China abgespalten. Seit dem Amtsantritt der Unabhängigkeitsverfechterin Tsai 2016 haben sich die Spannungen zwischen Peking und Taipeh noch verschärft. Inzwischen droht Peking immer deutlicher mit einer „Wiedervereinigung“ (lesen Sie hier eine Analyse). Viele Menschen dort fürchten deshalb eine Entwicklung wie zurzeit in der früheren britischen Kronkolonie Hongkong. Dort geht Peking seit Monaten mit drakonischen Maßnahmen gegen die Demokratiebewegung vor.

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