Derya Alsan, Dilek Yüksel, Hatice Sevinc, Pinar Gültekin – das sind nur vier von insgesamt mindestens 36 Frauen, die der Organisation „Wir werden Femizide stoppen“ zufolge allein im vergangenen Monat in der Türkei ermordet wurden. Besonders der Fall von Pinar Gültekin sorgte über die Landesgrenzen hinaus für Entsetzen.

Die 27 Jahre alte Studentin wurde von ihrem Liebhaber getötet. Anschließend wurde ihre Leiche angezündet, in einer Mülltonne mit Beton übergossen und schließlich in einem Waldstück vergraben. Fünf Tage später fanden Ermittler die sterblichen Überreste.

Landesweit gingen daraufhin Tausende auf die Straße, um gegen Gewalt an Frauen zu demonstrieren. Auch Präsident Recep Tayyip Erdogan fand deutliche Worte für die Tat. „Ich verfluche alle Verbrechen an Frauen“, schrieb er auf Twitter. Maßnahmen zum Schutz ließ er jedoch nicht folgen.

Stattdessen diskutiert seine Partei AKP derzeit darüber, ob die Türkei sich aus einem internationalen Abkommen zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zurückziehen soll.

Das eine sagen, das andere tun

Die Istanbul-Konvention des Europarats verpflichtet die Unterzeichnerstaaten, jegliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen sowie alle Formen häuslicher Gewalt als Verbrechen einzustufen. Mitte des Monats soll in Ankara die Entscheidung über den Verbleib in dem Abkommen fallen. Dabei hat die Türkei 2012 als erstes Land überhaupt die Konvention ratifiziert. Erdogan selbst unterzeichnete es damals noch in der Rolle des Ministerpräsidenten. Eine wesentliche Rolle dürfte dabei seine jüngste Tochter Sümeyye Erdogan gespielt haben.

Sie war nach ihrem Studium in den USA mehrere Jahre als politische Beraterin ihres Vaters tätig und setzt sich bis heute offiziell für Frauenrechte ein. Die aktuelle Diskussion über die Istanbul Konvention spaltet nun die AKP – und auch den engsten Familienkreis des Präsidenten.

Gegenwind von AKP-Frauen und Erdogans Tochter

Sümeyye Erdogan sitzt seit Jahren im Vorstand der konservativen…