„Ich bin am Boden zerstört und auch wütend über diese Entscheidung“, sagt die Australierin Annabelle Lindsay der DW. „Nicht nur um meinetwillen, sondern auch mit Blick auf mein Team, auf die acht anderen nicht zugelassenen Athleten und die Zukunft unseres Sports.“ Die 22-Jährige gehört zu den neun Rollstuhl-Basketballerinnnen und Basketballern, denen kürzlich eröffnet wurde, dass der Grad ihrer Behinderung nach den Klassifizierungregeln des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) nicht mehr ausreicht, um bei Paralympics antreten zu dürfen.

„Was ich am meisten am Rollstuhlbasketball geliebt habe, war die Tatsache, dass es der inklusivste Sport der Welt ist“, sagt Lindsay. „Es ist wirklich traurig, dass das IPC uns diesen Sport weggenommen hat.“ Sie sieht sich am Ende ihrer sportlichen Karriere angelangt und will sich nun auf die berufliche Ausbildung konzentrieren: „Ich bin körperlich nicht in der Lage, einen Nicht-Behinderten-Sport zu betreiben, werde aber als nicht ‚behindert‘ genug betrachtet, um am paralympischen Sport teilzunehmen.“

„Es bricht uns das Herz“

Bis zum Frühjahr 2016 galt Lindsay als aufgehender Stern des australischen Frauen-Basketballs. Sie hatte ein Stipendium an einer US-Universität und träumte von einer Karriere in der WNBA, der nordamerikanischen Frauen-Profiliga. Doch dann renkte sie sich ihr rechtes Knie aus. Nach der Operation blieben die Schmerzen, die Ärzte diagnostizierten Osteoarthritis, Knorpelschwund. Das bedeutete das Ende ihrer „normalen“ Basketballkarriere. Lindsay wechselte zu den Rollstuhl-Spielerinnen und qualifizierte sich mit dem australischen Nationalteam, den „Australian Gliders“, für die Paralympischen Spiele in Tokio.

„Ich halte es für sehr unfair, einen Athleten ungefähr drei Wochen vor dem eigentlich geplanten Beginn der Spiele für nicht teilnahmeberechtigt zu erklärten“, sagt die Australierin, „obwohl wir in den letzten vier Jahren unser Leben dem Training speziell für die Paralympics 2020 in Tokio geopfert…