Er hat sich Zeit gelassen. Viel Zeit. Knapp eine Woche vor dem Nominierungsparteitag der Demokraten, steht nun  fest: Joe Biden zieht mit Kamala Harris als mögliche Vizepräsidentin in den Kampf ums Weiße Haus. Harris war vor anderthalb Jahren selbst als Kandidatin angetreten, zog sich aber noch vor den ersten Vorwahlen zurück.

Mit seiner Entscheidung stellt Biden viele Wählergruppen zufrieden. Während die Republikaner mit zwei älteren weißen Männern antreten, bringt Harris weit mehr Diversität mit. Sie wäre die erste Vizepräsidentin der USA, die erste schwarze und mit jamaikanisch-indischen Wurzeln zugleich die erste asiatischer Abstammung im Amt. Und: Mit 56 Jahren ist sie deutlich jünger als Biden. Dessen Wahlkampf soll sie nun beleben.

Christian Lammert, Politologe, FU Berlin:
„Wir haben jetzt mit Kamala Harris wirklich eine Kandidatin, die sehr in die Öffentlichkeit gehen wird, die auf Angriff umschalten wird. Und diese Euphorie gilt es jetzt, in den Wahlkampf zu tragen. Die Demokraten hoffen, dass sie die Begeisterung zurückbringt in den Wahlkampf, dass die Leute motiviert teilnehmen, sich registrieren – und auch im November wählen gehen werden.“

In den Umfragen liegt Biden derzeit deutlich vorn. So ging es bei der Vize-Entscheidung vor allem darum, niemanden zu vergraulen. Mit Harris bietet er nun beiden Parteiflügeln etwas an.

Christian Lammert, Politologe, FU Berlin:
„Sie ist von ihren politischen Positionen etwas linker als JB, das war etwas, das wichtig ist. denn er muss die Flügel der demokratischen Partei zusammenbringen auch auf dem Parteitag, das war ein Signal, dass da jetzt einiges aufgenommen  wird von den Forderungen des sehr progressiven Flügels. Aber siee ist auch nicht zu links, dass der moderate Flügel und das Partei-Establishment verschreckt ist. Auch hier ist sie eine gute Kompromiss-Kandidatin, die alle Interessen der Partei ein bisschen abdeckt.“

Biden und Harris müssen dem progressiven Flügel nun aber auch inhaltlich Angebote machen, vor…