In Großbritannien ist die Wirtschaft im Frühjahr wegen der Corona-Pandemie abgestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) brach von April bis Juni um 20,4 Prozent zum Vorquartal ein, wie das Statistikamt in London mitteilte. Kein anderes großes Industrieland hat ein so großes Minus gemeldet.

Zum Vergleich: Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im zweiten Quartal mit 10,1 Prozent nur etwa halb so stark. In Frankreich (minus 13,8 Prozent), Spanien (minus 18,5 Prozent) und Italien (minus 12,4 Prozent) ging die Wirtschaftsleistung in diesem Zeitraum ebenfalls stark zurück, erreichte aber nicht den britischen Wert.

Da die britische Wirtschaft bereits von Januar bis März – damals um 2,2 Prozent – geschrumpft war, befindet sich das Land nun auch offiziell in der Rezession. Diese wird von Ökonomen technisch als Absinken der Wirtschaftsleistung zwei Quartale in Folge definiert. In Großbritannien kostete die Entwicklung auch bereits zahlreiche Jobs – offiziell stieg die Zahl der Arbeitslosen von April bis Juni um 220.000 – so viele wie seit der Finanzkrise 2009 nicht.

Aufs Jahr gerechnet: Rückgang von 9,5 Prozent erwartet

Die Pandemie hatte Großbritannien besonders stark zugesetzt: Bislang wurden der Johns Hopkins University zufolge 313.394 Infektionen festgestellt, 46.611 starben an Covid-19. Die Regierung von Premierminister Boris Johnson hatte nach anfänglichem Zögern einen harten Lockdown durchgesetzt, der weite Teile der Wirtschaft zum Erliegen brachte. Zur Haupturlaubszeit gibt es nun neue Quarantäneregeln, um eine zweite Welle zu verhindern.

Trotz Lockdown gibt es inzwischen aber auch Signale, dass die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt mit der Aufhebung vieler Beschränkungen wieder wächst. Im Juni allein legte sie um 8,7 Prozent zum Mai zu, wie das Statistikamt mitteilte. „Die Wirtschaft begann, sich im Juni zu erholen“, sagte Jonathan Athow vom Office for National Statistics. „Trotzdem liegt das BIP immer noch ein Sechstel unter dem Niveau vom Februar, bevor das Virus…