Gerade war sein Team ins Halbfinale der Europa League eingezogen, da wurde Ole Gunnar Solskjaer in der Pressekonferenz auf einmal äußerst schmallippig: „Ich kann mich nicht über Spieler anderer Mannschaften äußern, das wissen Sie, das mache ich nie“, sagte der Trainer von Manchester United. Der Spieler nach dem er gefragt worden war, ist Jadon Sancho von Borussia Dortmund. Seit Wochen wirbt Manchester um den 20 Jahre alten englischen Nationalspieler, einem der gefährlichsten Angreifer der Bundesliga. Kolportierte Ablösesumme: 120 Millionen Euro. 

Wenige Stunden zuvor hatte der BVB die Wechselspekulationen aus seiner Sicht jedoch beendet. Sportdirektor Michael Zorc sagte zum Auftakt des Trainingslagers in der Schweiz: „Wir planen mit Jadon. Er wird nächste Saison beim BVB spielen. Diese Entscheidung ist definitiv.“ Sie werde vom Spieler und dessen Agentur respektiert. Ein Kommentar, den der Verein extra noch einmal per Pressemitteilung verteilte. Darin lässt ein Detail aufhorchen: Schon vergangenen Sommer habe der BVB „den Vertrag mit Sancho um ein Jahr verlängert und das Gehalt an Jadons Leistungsentwicklung angepasst.“ Die Öffentlichkeit erfuhr davon allerdings nichts. 

Heimlicher Deal regelkonform? 

Dabei muss Borussia Dortmund als börsennotierter Klub besondere Regeln beachten. Verhandlungen oder Geschäftsvorgänge, die Einfluss auf den Kurs der BVB-Aktie haben, müssen per Ad-hoc-Mitteilung gemeldet werden, um Insidergeschäfte zu vermeiden. Zählt eine Vertragsverlängerung mit dem wertvollsten Spieler im Dortmunder Kader nicht dazu? „Vertragsverlängerungen mit Top-Spielern können den Kurs beeinflussen und eine Meldung auslösen“, sagt Jasko Terzic, der als Analyst beim Bankhaus Lampe den Kurs der Dortmunder Aktie fortlaufend verfolgt, „aber es bleibt ein Graubereich, weil sich nicht immer ein fester Wert in der Bilanz niederschlägt.“  

Klarer ist die Sache bei einem anstehenden Verkauf eines Top-Spielers, allein die Verhandlungen sind schon…