„Wir sind einigermaßen beruhigt, dass die Mannschaft nicht komplett auseinandergerissen wurde, gleichzeitig aber schockiert, dass es einen Negativbescheid gibt“, sagt Mareike Miller, Kapitänin der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft, der DW. „Wir machen uns Sorgen um unsere Mitspielerin, für die es eine schlechte Nachricht ist. Wir hoffen, dass es Möglichkeiten für einen Widerspruch gibt.“ Die angesprochene Teamkollegin ist Barbara Groß. Wegen des laufenden Verfahrens will sie sich selbst noch nicht äußern.

In der vergangenen Woche erhielt die 26-Jährige vom Rollstuhlbasketball-Weltverband IWBF die Nachricht, dass sie künftig nicht mehr international spielen darf. Groß war eine von neun Athletinnen und Athleten, die durch das Sieb des so genannten „Classification Code“ des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) fiel. Im Auftrag des IPC hatte die IWBF in einem ersten Schritt 132 Rollstuhlbasketballerinnen und -basketballer überprüft. Darunter waren elf Deutsche. Zehn dürfen weiterspielen, eine nicht.

Silber in Rio de Janeiro

Barbara Groß war bisher in die Kategorie der „Minimalbehinderten“ eingeordnet. Im Alltag benötigt sie zwar keinen Rollstuhl. Nach einem schweren Verkehrsunfall und mehreren Operationen war es Groß jedoch nicht mehr möglich gewesen, „Fußgängersport“ zu treiben. Sie begann daher, Rollstuhlbasketball zu spielen. Seit 2015 gehört Groß zum Kader des Nationalteams und holte mit ihm fünf Medaillen bei internationalen Ereignissen, unter anderem Gold bei der EM 2015. Bei den Paralympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro gewann sie mit der deutschen Mannschaft Silber – und erhielt hinterher aus der Hand des damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck das „Silberne Lorbeerblatt“, die höchste sportliche Auszeichnung Deutschlands.

„Nicht betrogen“

Dass mit Groß eine seit vielen Jahren aktive Rollstuhlbasketballerin ausgebootet worden ist, sorgt vielerorts für Kopfschütteln. „Bisher konnte man nur aus dem Sport geworfen…