Kann Kultur identitätsstiftend wirken? Kann sie Völker verbinden, humanistische Ideale mit Inhalten füllen? Den europäischen Gedanken stärken? Solche Fragen beschäftigen Kulturschaffende und Politiker aktuell in unserer bewegten Zeit, in der Selbstverständlichkeiten ins Wanken geraten sind und man vom Werteverlust redet. Und meistens werden diese Fragen mit „ja“ beantwortet. 

Weltkrieg, Werteverlust, innere Einkehr

Ähnlich war es vor einem guten Jahrhundert, anno 1917 – mit dem Unterschied, dass Europa sich damals im Krieg befand. Inmitten der Katastrophe träumten drei Männer von einem kosmopolitischen Europa und von Festspielen, die Frieden stiften sollten.

Hugo von Hofmannsthal hatte auch jüdische Vorfahren, verstand sich aber als konservativer Katholik

Hugo von Hofmannsthal, Richard Strauss und Max Reinhardt hießen die drei Vordenker. Hofmannsthal war ein viel gefeierter Dichter, Schriftsteller und Librettist, der einen großen Einfluss auf seine Generation hatte. Strauss war der berühmteste Komponist seiner Zeit und Reinhardt der wichtigste Regisseur und Impresario. An die Gründung eines Theater- und Opernfestivals hatten auch der Operndirektor Franz Schalk und der Bühnenbildner Alfred Roller schon gedacht.  

Dabei griffen sie eine jahrzehntealte Idee auf, die spätestens nach 1876, dem Gründungsjahr der Bayreuther Festspiele, in der Luft gelegen hatte, nämlich Festspiele in der Geburtsstadt Wolfgang Amadeus Mozarts zu veranstalten. Wie in Bayreuth auch, sollten sie fernab der Kulturmetropolen stattfinden. Oder in den Worten Hugo von Hofmannthals: „Die Großstadt ist der Ort der Zerstreuung, eine festliche Aufführung bedarf der Sammlung, bei denen, die mitwirken, wie bei denen, die aufnehmen.“

Richard Strauss war zwar Deutschnationalist, wusste aber auch von der Beliebtheit seiner Werke im Ausland

Gleichzeitig sollten die Salzburger Festspiele, wie sie später heißen sollten, ein Gegenprogramm zu den Festspielen im Norden Bayerns bieten:…