Im Juli 1970, vor 50 Jahren, begannen im Düsseldorfer Kling-Klang-Studio die Aufnahmen des Debütalbums einer noch völlig unbekannten deutschen Band: Kraftwerk. Es war der Beginn einer fruchtbaren Zusammenarbeit und von zwei außergewöhnlichen und internationalen Karrieren: Kraftwerk wurden zu einer der einflussreichsten deutschen Bands, Conny Plank einer der wichtigsten Musikproduzenten seiner Zeit. 

Jazz als Lebensschule

Plank, Jahrgang 1940, war im rheinland-pfälzischen Kaiserslautern aufgewachsen, wo viele US-Soldaten stationiert waren. Wie viele junge Menschen seiner Generation war er tief beeindruckt vom „Troop Entertainment“ der Amerikaner, von Jazz und Improvisation. Gleichzeitig war Plank technikbegeistert, getrieben von seiner Neugier. Seinen ersten Job als Sendetechniker bei der Europawelle Saar schmiss er, weil ihm das nicht kreativ genug war.

Im Kölner Rhenus-Tonstudio fand er sein erstes musikalisches Zuhause und konnte sich austoben. Sein Mentor, Tonmeister Wolfgang Hirschmann, erkannte Planks Talent und ließ ihn nicht nur gewähren, sondern gab dem jungen Mann schnell verantwortungsvolle Aufgaben.

Darunter als Ton-Assistent bei Marlene Dietrich-Konzerten und als Toningenieur bei einer Session, die entscheidend für Planks Karriere werden sollte: Die US-Jazzgröße Duke Ellington bereitete sich im Studio für Auftritte mit seinem Orchester vor. Plank bekniete ihn, doch direkt auch etwas aufzunehmen – und Ellington willigte ein.

„Er hat sich nur bei der Arbeit gespürt“, sagt Annette Humpe über Conny Plank. Hier in Hamburg am Mischpult (1969)

Bei den Aufnahmen gelang es Plank, den Altmeister aus dessen Komfortzone zu locken. Ellington beschritt nach langer Zeit wieder neue Wege, improvisierte mehr. Das Ergebnis war ein für Ellington völlig ungewöhnliches Album, das Herbert Grönemeyers Label Grönland Records 2015 veröffentlicht hat. Nach den Sessions soll Ellington zu Plank gesagt haben: „Young man, you’re doing a great sound.“ Dies führte zu…