Als die US-amerikanische Schriftstellerin Harper Lee 1960 ihren ersten Roman „Wer die Nachtigall stört“ veröffentlichte, traf die Erzählung einen Nerv der Zeit. Sie handelt vom Kampf um Gerechtigkeit für Schwarze, angesiedelt in den 1930er Jahren, in den von Rassentrennung geprägten Südstaaten der USA. Das Buch gab später der Bürgerrechtsbewegung unter der Führung von Martin Luther King Jr. Auftrieb.

Harper Lee (1926-2016) gewann 1961 den Pulitzer-Preis für Literatur. In Hollywood wurde die Geschichte bereits ein Jahr später fürs Kino verfilmt, mit Gregory Peck in der Hauptrolle. Der Film gewann drei Oscars, einen bekam Peck für seine engagierte Darstellung des Anwalts. 

Das Buch war bald darauf Pflichtlektüre in US-amerikanischen Schulen. Schulkinder und Jugendliche konnten viel über Bürgerrechte und den Kampf für Gleichheit lernen. Der Roman verkaufte sich weltweit mehr als 40 Millionen Mal. 

Autorin Harper Lee: Mit einem einzigen Buch gelangte sie zu Weltruhm (Foto: 2007)

Ein hochaktuelles Buch

Zum 60. Jahrestag der Veröffentlichung des Romans erfährt „Wer die Nachtigall stört“ gerade aktuelle Brisanz. Angesichts der weltweiten Proteste in Folge der Tötung des Schwarzen George Floyd durch weiße Polizisten bekommt er eine ganz neue Resonanz.

Harper Lee´s Roman ist in einer fiktiven Stadt des Bundesstaats Alabama angelegt und erzählt von dem jungen Schwarzen Tom Robinson, der unschuldig einer Vergewaltigung beschuldigt wird. Vor Gericht wird er von dem weißen Anwalt Atticus Finch verteidigt. 

Die Geschichte wirkt auch Jahrzehnte später nicht aus der Zeit gefallen. Schwarze Menschen leiden nach wie vor in den USA unter unverhältnismäßiger Polizeigewalt und werden sechsmal häufiger inhaftiert als Weiße. Seit dem Tod von George Floyd hat der Protest gegen den Alltags-Rassismus in den USA und für mehr Gerechtigkeit ein neues Level erreicht.

An den Zuständen hat sich seit dem vergangenen Jahrhundert wenig geändert. US-Präsident Donald…