Die Attacke auf den Präsidenten via Twitter war vernichtend. Der Commander-in-Chief stand da wie ein ignoranter Dussel. Er lese offenkundig seine Geheimdienstberichte nicht, er lasse sich auch nicht von der CIA oder vom Verteidigungsministerium regelmäßig über wichtige Entwicklungen informieren, stellte der Kritiker in harschen Worten fest. Offenbar sei der Präsident „zu beschäftigt“ mit anderen Dingen.

Das war 2014. Der Präsident hieß Barack Obama, sein Kritiker Donald Trump. Heute ist Trump selbst Präsident und hat nun eine Affäre am Hals, in der es im Kern um genau diese Fragen geht: Liest Trump seine Geheimdienst-Briefings – oder nicht? Wurde er schon vor Monaten von seinen Experten über mutmaßliche Kopfgelder informiert, die russische Spione an Taliban-Milizen in Afghanistan gezahlt haben sollen, damit sie US-Soldaten töten? Ja oder nein?

Die brisante Causa hat das Potenzial, den ohnehin angeschlagenen US-Präsidenten wenige Monate vor der Wahl noch weiter in Bedrängnis zu bringen. Die Kopfgeld-Affäre entwickelt sich täglich mehr und mehr zu einem handfesten politischen Skandal, der Trump auch noch die letzten verbliebenen Sympathien im Wahlvolk kosten könnte. Kaum etwas wäre für Trump schlimmer, als wenn sich herausstellen würde, dass er als Oberbefehlshaber nichts unternommen haben könnte, um die eigenen Truppen vor Angriffen zu schützen.

Seltsame Ausreden

Seit die „New York Times” am Wochenende erstmals über die Hintergründe zu den Kopfgeldern berichtet hat, bemühen sich Trump und seine Berater im Weißen Haus hektisch, die Sache kleinzureden. Stets wird darauf verwiesen, der Präsident sei über den Vorgang nicht „gebrieft“ worden. Trump selbst gab an, die Geheimdienste hätten die Angelegenheit nie an ihn weitergegeben, weil sie die Informationen zu den Kopfgeldern als nicht glaubwürdig eingestuft hätten. Möglicherweise sei das alles wieder einmal ein russischer „Trick“.

Im Weißen Haus hat man sich offenkundig vorgenommen, die Sache…