Die Kanzlerin greift, wie so oft, zu milder Untertreibung. „Die Erwartungen sind hoch“, sagt Angela Merkel, als sie zu Wochenbeginn neben Emmanuel Macron auf dem Podium steht.

Frankreichs Präsident war nach Meseberg gekommen, um mit Merkel die EU-Ratspräsidentschaft zu besprechen, die Deutschland turnusmäßig an diesem Mittwoch übernimmt.

Die Erwartungen an die deutsche Kanzlerin könnten größer kaum sein:

Es geht um die Rückkehr Europas aus der Coronakrise;

um die Frage, ob und wie die EU zwischen den Weltmächten USA und China bestehen kann;

und nicht zuletzt darum, wie schwer der Brexit die europäische Wirtschaft zusätzlich schädigen wird.

Merkel, Macron und EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen, das ist die Hoffnung, sollen Europa den Weg aus der Malaise weisen. Haben die drei Erfolg, könnten die Wunden langsam heilen, die fehlende Solidarität und nationaler Egoismus zu Beginn der Coronakrise in der EU verursacht haben.

Scheitern sie, das ist die Befürchtung, könnte dies auch den Anfang vom Ende des Projekts Europa bedeuten.

Der größte Brocken: der Corona-Wiederaufbau

Die Aufgaben sind gewaltig. Die erste und größte ist der Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Coronakrise.  

Der Plan, der Europa aus der Wirtschaftskrise führen soll, ist Teil eines Werks von mehr als 2000 Seiten mit dem sperrigen Titel „Mehrjähriger Finanzrahmen für die EU von 2021 bis 2027“. Seit Wochen wird um jedes Detail des Budgets gerungen.

Von der Leyen selbst telefoniert mit jedem der Staats- und Regierungschefs der 27 EU-Mitgliedstaaten zwei- oder drei Mal und versuchte, die Differenzen zwischen Norden und Süden und Westen und Osten zu überbrücken. Ihre Mitarbeiter halten das Berliner Kanzleramt und den Élysée-Palast in Paris auf dem Laufenden.

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Europapolitikerinnen von der Leyen, Merkel (im Februar in Brüssel)

Ludovic Marin/ AFP

750 Milliarden Euro will von der Leyen für den Wiederaufbau Europas nach der Coronakrise ausgeben,…