Mitten in Basel, nicht weit vom Bahnhof, liegt die Schaltzentrale der Finanzwelt. In einem knapp 70 Meter hohen Turm aus Stahl, Glas und Aluminium residiert dort die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die Bank der Zentralbanken. Hier treffen sich in normalen Zeiten alle zwei Monate die wichtigsten Notenbanker aus der ganzen Welt, um gut abgeschirmt von der Öffentlichkeit über die Lage der Weltwirtschaft zu beraten.

Der Italiener Claudio Borio ist so etwas wie das Orakel der Notenbanker. Als Leiter der Wirtschafts- und Währungsabteilung analysiert er die Lage der Weltwirtschaft – und schlägt Alarm, wenn es irgendwo gefährlich wird. So wie vor der Finanzkrise 2008, die Borio als einer der wenigen Ökonomen hat kommen sehen.

Und dieses Mal? Die Coronakrise sei „in mehrerlei Hinsicht einzigartig“, sagt Borio im Interview mit dem SPIEGEL. Es sei „die erste wirklich globale Krise“. Er erwartet zwar, dass sich die Wirtschaft vergleichsweise schnell wieder erholt. Doch die Nebenwirkungen könnten enorm sein: Es beginne nun „eine Phase, in der es darum geht, welche Unternehmen ihre Schulden tragen und bedienen können“, sagt Borio. „Regierungen und Investoren werden sich gleichermaßen der Frage stellen müssen, welche Firmen überlebensfähig sind.“

An die Regierungen appelliert Borio, in guten Zeiten die Schuldenstände niedrig halten. „Vor der Krise wurden Puffer als eine Art Luxus eingestuft – dabei sind sie essentiell“, sagt der Ökonom. „Sie wieder aufzubauen, könnte die politische Herausforderung des kommenden Jahrzehnts sein.“

Lesen Sie im Interview, wie Borio die Reaktion der Regierungen und Notenbanken auf die Coronakrise beurteilt – und warum Inflation doch noch mal zum Problem werden könnte.

SPIEGEL: Herr Borio, wie tief wird die Weltwirtschaft infolge der Corona-Pandemie abstürzen?

Borio: Ich bin zuversichtlich, dass sich die Wirtschaft verhältnismäßig kontinuierlich erholen kann, wenn es keine zweite Infektionswelle gibt und die…