Ruhig und gefasst stand Angela Merkel zu Wochenbeginn in Meseberg an der Seite des französischen Präsidenten Emmanuel Macron. „Wir leben in einer ernsten Zeit“, sagte die Kanzlerin. Noch einmal erinnerte sie an die dramatischen Folgen der Corona-Pandemie, an die größte wirtschaftliche Herausforderung seit Jahrzehnten. Und vielleicht so eingängig wie nie formulierte sie ihre Antwort auf diese Krise: „Europa ist unsere Zukunft.“ 

Für Merkel waren die knapp 15 Jahre ihrer Kanzlerschaft in Europa eine Achterbahnfahrt. Anfangs wurde sie als „Angela Europa“ gefeiert, dann stürzte in der Eurokrise 2010 ihr Ansehen ab. Die verschuldeten Länder im Süden warfen ihr Hartherzigkeit vor, auf einmal galt sie als Totengräberin Europas. Auch ihre Flüchtlingspolitik 2015 entzweite die EU-Staaten. Ein Jahr vor dem angekündigten Ende ihrer Amtszeit kommt nun für die CDU-Politikerin die vielleicht größte Bewährungsprobe. Und die Chance, doch noch als große Europäerin in die Geschichtsbücher einzugehen. 

Wird Angela Merkel zur „Königin Europas“? 

An diesem Mittwoch übernimmt Deutschland für sechs Monate den Vorsitz der 27 EU-Staaten. Oft ist das ein formaler und für viele Bürger ziemlich undurchsichtiger Akt – die Ratspräsidentschaft. Im nächsten halben Jahr aber soll es ums Ganze gehen. Die Pandemie gilt es zu bezwingen und die Rezession mit einem riesigen Konjunkturprogramm abzumildern, den Brexit zu bewältigen, ein neues Klimaziel zu setzen, den Dauerstreit über Migration zu lösen, Europa in der Welt zu stärken. Gelingt Merkel das alles, wäre sie vielleicht für einen historischen Moment wirklich noch die „Königin Europas“. Auch das Etikett wurde ihr schon angeheftet.

Fragen nach ihrem europapolitischen Vermächtnis wischt die 65-Jährige vom Tisch. Ebenso die Frage, wie nervös sie sei. Krisen habe es in der EU immer gegeben, sagte Merkel der „Süddeutschen Zeitung“. „Jetzt stellt uns die Corona-Pandemie vor eine Herausforderung beispiellosen Ausmaßes.“ Hinzu…