Im Wirecard-Bilanzskandal haben die ehemaligen Vorstände des insolventen Zahlungsdienstleisters nun auch in Österreich eine Anzeige am Hals. Bei der Wiener Staatsanwaltschaft ging eine Anzeige wegen des Verdachts der Marktmanipulation und des schweren Betrugs ein, sagte ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Anzeige richte sich gegen Ex-Wirecard-Chef Markus Braun und das frühere Vorstandsmitglied Jan Marsalek, der Medienberichten zufolge derzeit per Haftbefehl gesucht wird. Beide Beschuldigten sind Österreicher. Die Kanzlei von Marsaleks Anwalt wolle sich nicht dazu äußern. Brauns Anwalt war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Mitteilung der Staatsanwaltschaft Wien wird der Vorgang an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKSTa) abgetreten. Eingebracht wurde die Strafanzeige am Montag vom Wiener Anwalt Jörg Zarbl. Er teilte Reuters mit, er sehe vor allem einen Aktienkauf von Braun als problematisch an. Braun hatte Mitte Mai Wirecard-Aktien für 2,5 Millionen Euro erworben und damit der Aktie zu einem Kurssprung verholfen.

Millionenkredit bei OLB aufgenommen

Laut Zarbl habe der frühere Wirecard-Chef etwa zeitgleich einen Kredit über 120 Millionen Euro aufgenommen sowie zwei österreichische Immobilien belehnt. Das hätten Recherchen in den Grundbüchern ergeben, sagte Zarbl. „Aus meiner Sicht wäre hier zur prüfen, ob man nicht mit Absicht positive Signale an den Markt setzen wollte“. Bei der Bank handelt es sich nach Recherchen des SPIEGEL um die Oldenburgische Landesbank (OLB), eine Regionalbank mit Sitz in Niedersachsen.

Das geht aus einem Pfandstellungsvertrag vom 14. Mai 2020 hervor. Besichert ist der Kredit mit zwei Immobilien von Braun in Wien und Kitzbühel. Ihr Wert wird auf 30 Millionen Euro taxiert. Ob es darüber hinaus weitere Sicherheiten gibt, wollte die OLB auf Anfrage nicht sagen.

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