Das französische Atomkraftwerk in Fessenheim nahe der deutschen Grenze ist endgültig abgeschaltet worden. Der zweite und letzte Reaktor des ältesten französischen Kernkraftwerks sei um 23 Uhr vom Netz genommen, teilte der Betreiber Electricité de France mit. Der erste Reaktor hatte bereits im Februar den Betrieb eingestellt.

Kritikern galt das 1977 ans Netz genommene Kraftwerk an der Grenze zu Baden-Württemberg schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Atomkraftgegner in Deutschland und der Schweiz hatten sich deshalb für eine Abschaltung eingesetzt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war mit dem Aus für das rund 30 Kilometer südwestlich von Freiburg gelegene Atomkraftwerk eben diesen Forderungen nachgekommen. Beide Länder waren besorgt über häufige Störfälle und das Erdbebenrisiko am Oberrhein.

Ursprünglich war die Abschaltung bereits Ende 2016 geplant, der damalige Staatschef François Hollande hielt seine Zusage aber nicht ein. Paris begründete dies damals mit Verzögerungen beim Bau eines neuen Reaktors im nordfranzösischen Flamanville.

Deutsche Politiker und Umweltaktivisten begrüßten die Stilllegung. Der Zenit der Atomkraft sei längst überschritten, sagte Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD). Die Abschaltung des AKW in Fessenheim mache auch Deutschland und die Schweiz sicherer.

In Fessenheim dagegen herrschte am Montag wenig Begeisterung. Rund 2500 Menschen in der elsässischen Gemeinde fürchten um ihren Lebensunterhalt: Bis 2023 werden nur noch 294 von ihnen gebraucht, danach nur noch 60. Ende 2017 beschäftigte das Akw Fessenheim noch über tausend Mitarbeiter und Dienstleister. „Welcher Schmerz – was hier geschieht ist unmenschlich“, schrieb die Gewerkschaft CGT auf Twitter.

Runter, hoch – und wieder runter

Erst in der vergangenen Woche war der Reaktor nach einem Blitzeinschlag ungeplant heruntergefahren worden. Der Vorfall habe die Sicherheit des Kraftwerks laut Betreiber jedoch nicht beeinträchtigt. Am Samstagabend…