Der Tod eines prominenten äthiopischen Sängers und Aktivisten für die Volksgruppe der Oromo hat in Addis Abeba und an weiteren Orten Proteste ausgelöst.

Viele Hauptverkehrsadern seien blockiert, Menschen verbrannten Reifen und Schüsse halten durch die Hauptstadt. Zudem wurde das Internet – wie fast immer bei Ausschreitungen – abgeschaltet.

Zuvor war Hachalu Hundessa, ein bekannter Sänger angehöriger der größten äthiopischen Ethnie, der Oromo, erschossen worden. Der Polizeichef der Hauptstadt, Getu Argaw, sagte vor Reoportern, Hachalu sei am späten Montagabend um 21:30 Uhr getötet worden. Man habe Verdächtige festgenommen.

Der Hintergrund der Tat war zunächst unklar. Regierungschef Abiy Ahmed sprach sein Beileid aus und twitterte, dass man die Ergebnisse einer Ermittlung erwarte. Hachalu wird von vielen Oromo als ein Verfechter der Rechte der Bevölkerungsgruppe angesehen. Auch die äthiopische Botschaft in Großbritannien veröffentlichte einen Kondolenz-Tweet in englischer Sprache, der sich an die große Diaspora vor allem der Oromo im angelsächsischen Raum richtete.

Die Oromo fühlten sich jahrelang von der autoritären Regierung vernachlässigt. Andauernde Proteste in den Regionen Oromia und Amhara führten schließlich 2018 zum Rücktritt des Regierungschefs und dem Amtsantritt seines Nachfolgers Abiy.

Dieser – selbst ein Oromo – wird als Reformer gesehen und erhielt unter anderem wegen seiner Befriedungsbemühungen am Horn von Afrika den Friedensnobelpreis. Allerdings sind unter Abiy ethnische Spannungen und Konflikte wieder aufgebrochen, die seine Regierung in allen Landesteilen teils brutal bekämpft.

Vor allem von seiner eigenen Bevölkerungsgruppe wird Abiy sein panäthiopischer Kurs, der das Land vor dem Zerfall in ethnische Teilstaaten bewahren soll, teils kritisch gesehen. Mit Abiys Machtantritt hatten sich viele Oromo eine Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse erhofft, nun sind viele vom international hochangesehenen Premier enttäuscht.

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