Deutsche Welle: Herr Majewski, Sie sind Vorstandsmitglied des Vereins „Deutsche Gesellschaft für Flaggenkunde“. Der US-Bundesstaat Mississippi hat beschlossen, seine Flagge zu ändern und die darin enthaltene Konföderierten-Flagge, die an die einstigen Sklavenhalter in den Südstaaten der USA erinnert, zu entfernen. Ist das ein normaler Vorgang?

Jörg Majewski: Das hängt stark vom Ort ab. Manche Länder haben seit Jahrhunderten die gleiche Flagge, unabhängig von der jeweiligen politischen Ausrichtung. Die erste Abbildung der dänischen Flagge ist über 800 Jahre alt. In anderen Ländern ändert sich die Flagge häufig mit einem neuen Regierungschef, zum Beispiel in Afghanistan.

Die Maßnahme in Mississippi ist also für westliche Gesellschaften ungewöhnlich?

Ja, diese Änderung ist besonders in den US-Staaten sehr ungewöhnlich. Texas hatte nach der Unabhängigkeit von Mexiko unterschiedliche Flaggen. Und die Flagge von Mississippi hat 120 Jahre existiert. Ungewöhnlich ist besonders das Verfahren für die Änderung: Normalerweise gibt es Ausschreibungen, Entwürfe für die neue Flagge und dann die Beschlüsse des Senats. Hier ist das umgekehrt worden. Hoffen wir, dass etwas Vernünftiges dabei herumkommt.

Welche Kriterien sollte die neue Flagge erfüllen?

Sie sollte so gestaltet sein, dass sich möglichst alle Bürger dieses Staates damit identifizieren können. Sie sollte einfach gehalten sein und klare Farben haben. Ich nehme an, dass die Farben Blau, Weiß und Rot bleiben werden. Und es gibt die Vorgabe, dass „In God We Trust“ aufgenommen wird.

Die Konföderierten-Flagge: Für viele ein Symbol des Rassismus und der Sklaverei

Die Konföderierten-Flagge stammt aus dem US-amerikanischen Bürgerkrieg und war bislang oben links in der Flagge Mississippis präsent. Wie konnte die sich überhaupt so lange halten?

Mississippi ist der klassische Südstaat. Die Konföderierten-Flagge gilt vielen dort als reine Südstaatenflagge und ist sehr populär, nicht nur im Privaten. Der…