„Sportler werden nicht länger zum Schweigen gebracht“, hieß es in einem offenen Brief, den der Athletenbeirat des „Teams USA“ an das Internationale Olympische und Paralympische Komitee (IOC und ICP) geschickt haben: „Wir stehen am Scheideweg. Das IOC und das IPC können den Weg der Bestrafung oder des Ausschlusses von Athleten, die sich für das einsetzen, woran sie glauben, nicht fortsetzen.“ Es geht um die umstrittene Regel 50 der Olympischen Charta, die Sportlern bei Olympischen Spielen einen Maulkorb zu politischen Fragen verpasst. Wir haben bei Athletensprecher Max Hartung nachgefragt.

DW: Herr Hartung, hätte es „Black Lives Matter“-Aktionen von Sportlern bei den Olympischen Spielen in Tokio gegeben, wenn sie schon in diesem Jahr stattgefunden hätten?

Max Hartung: Das ist natürlich ein großer Konjunktiv. Aber es sieht sehr danach aus.

Und wie wird es im nächsten Jahr aussehen, wenn die Spiele dann tatsächlich über die Bühne gehen sollen?

Das hängt von dem aktuellen Prozess ab, was dann erlaubt sein wird. Aber selbst wenn es weiter verboten sein sollte, haben offenkundig viele amerikanische Sportler so eine große Wut gegen die Ungerechtigkeit in ihrem Land, dass sie wahrscheinlich auch bereit wären, dort gegen bestehendes Regelwerk zu verstoßen.

In den USA haben Athleten gefordert, sofort die Regel 50 der Olympischen Charta abzuschaffen, in der Sportler während der Spiele „politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda“untersagt werden. Die US-Athleten sehen das IOC „am Scheideweg“. Teilen Sie diese Einschätzung?

Dieses Regelwerk besteht schon sehr lange. Aber es gab in der Sportgeschichte immer wieder wichtige Momente, in denen man erkannt hat, dass Änderungen wertvoll sein könnten. So haben in den USA Colin Kaepernick [der Football-Profi kniete sich während der US-Hymne nieder, um gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen People of Color zu demonstrieren – Anm. d. Red.] oder Megan Rapinoe [die Weltfußballerin engagiert sich…