Vermutlich dürfte es sich um eine der schwierigsten Entscheidungen seines Lebens gehandelt haben: Clemens Tönnies ist nicht mehr Teil des FC Schalke 04. Der 64-Jährige tritt von allen seinen Ämtern zurück. Der Patriarch wurde vom (Schalke-) Volk gestürzt.

Die jüngsten Proteste gegen ihn persönlich dürften den allmächtigen Aufsichtsratschef so tief in seiner Seele getroffen haben, dass er die Welt nicht mehr verstanden hat. Schließlich sah er sich selbst stets als Teil der Schalker Lösung und nicht als das Problem des Vereins an. Sogar, als er bei einer Podiumsveranstaltung seine rassistischen Äußerungen tätigte, sah er sich danach eher schlecht durch seinen Verein vertreten als dass er Reue zeugte.   

Mit seiner Entscheidung zurückzutreten, ist das alte Schalke nicht mehr existent, das in den vergangenen fast drei Jahrzehnten von Manager Rudi Assauer, Finanzchef Peter Peters und eben Tönnies geprägt und aufgebaut wurde. Es war ein Schalke der Hierarchien und wirkte bisweilen aus der Zeit gefallen. Es war aber auch ein Schalke, das aus der Bedeutungslosigkeit mehrfach in die Champions League stürmte und das 2001 um Haaresbreite die Deutsche Meisterschaft verpasste. Und auch ein Schalke, das aus Wettbewerbsgründen eine hochmoderne, neue Arena baute, die der Klub mit Müh und Not aus eigenen Mitteln mit finanzieren konnte.

Tönnies‘ Alleingänge waren gefürchtet

Ein Protestbanner auf dem Schalker Vereinsgelände

Clemens Tönnies thronte über alledem. Er war der starke Mann, weil er derjenige war, der Schalke als Milliardär in finanziellen Notlagen und ohne große Formalitäten immer wieder unter die Arme greifen konnte. Nicht mit Schenkungen, wie so häufig gemutmaßt, sondern eher mit Krediten, die er sich auch gerne verzinsen ließ. Und Tönnies wusste die Positionen im Klub so zu besetzen, dass er, obwohl er eigentlich nur der Chef-Aufseher im Verein war, kaum noch eine interne Opposition befürchten musste. Es gab keine wichtige Entscheidung, die…