„An den vergangenen Abenden wurden wieder junge Frauen am Straßenrand gefunden“, erzählt Hessen Sayah. „Meist sehen die Anwohner sie, und dann müssen wir schnell handeln“, sagt die Leiterin der Abteilung für Migrationsangelegenheiten der Caritas im Libanon. Die Frauen sind Arbeitsmigrantinnen, die in libanesischen Haushalten saubermachen, die Kinder betreuen und Essen kochen.

Weil viele Arbeitgeber sie aufgrund der Wirtschaftskrise im Libanon seit Monaten nicht bezahlen können, wollen sie sie teilweise loswerden und setzen sie auf die Straße. „Wir treffen oft auf sehr verängstigte, verzweifelte, mittellose Frauen“, sagt Sayah. „Wir versuchen, ihnen mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.“

Überstunden und kein Gehalt

Insgesamt 120 Frauen betreut die Caritas in einem Frauenhaus, versorgt sie medizinisch, sorgt dafür, dass sie mit ihren Familien in ihren Herkunftsländern sprechen können, und hilft auch in rechtlichen Angelegenheiten. Eine von ihnen ist eine 20-jährige Frau aus Äthiopien, die ihren Namen nicht nennen möchte. „Ich habe in zwei Haushalten gearbeitet, bis 2 Uhr 30 morgens. Und ich musste um 5 Uhr 30 wieder aufstehen“, erzählt die junge Frau in einem Video der Caritas Libanon.

„Meine Chefin hat mich seit Monaten nicht bezahlt, und sie hat mich oft geschlagen. Wasser habe ich heimlich im Badezimmer getrunken – und es gab auch nicht ausreichend zu essen“, sagt sie auf Arabisch. „Meine Chefin hatte damals gesagt, sie werde mich nicht verreisen lassen, sie hat auch noch meinen Pass. Ich will aber nach Hause nach Äthiopien.“ Insgesamt 37 Frauen aus Äthiopien sind bei der Caritas untergebracht, sagt Sayah. Die anderen 83 Frauen kommen aus verschiedenen afrikanischen und asiatischen Ländern, darunter Ghana, Bangladesch und die Philippinen.

Schlafen vor dem Konsulat Äthiopiens

Manchmal, erzählt Sayah, brächten die Arbeitgeber die Frauen auch direkt zur Caritas, weil sie sich nicht mehr zu helfen wüssten. Andere setzen sie vor ihren…