Er kommt aus Ostwestfalen. Und hat Steuerberater gelernt.

Aber dass Ralph Brinkhaus nicht nur nüchtern und akribisch ist, hat der Chef der Unions-Bundestagsfraktion schon einmal gezeigt: Mit vollem Risiko stürzte er sich im Herbst 2018 in die Kandidatur um den Vorsitz der Abgeordneten von CDU und CSU – gegen den damaligen Amtsinhaber Volker Kauder, der von den führenden Vertretern der Unionsparteien und der Kanzlerin unterstützt wurde.

Brinkhaus setzte sich überraschend gegen Kauder durch.

Nun ist der CDU-Politiker erneut vorgeprescht: Am Wochenende präsentierte er in der ARD einen Vorschlag, um die verfahrene Wahlrechts-Debatte aufzulösen. Brinkhaus‘ Idee, die Zahl der Bundestagssitze bei der Wahl 2021 auf maximal 750 zu begrenzen, indem man abwechselnd Überhang- und direkt gewonnene Mandate streicht, war dem Vernehmen nach nicht mit dem Rest der Fraktionsführung abgestimmt. Besonders die CSU-Vertreter wurden von dem Vorstoß kalt erwischt.

Die Reaktionen von Seiten des Koalitionspartners SPD klangen jedenfalls freundlicher als die aus den eigenen Reihen: Die CSU-Landesgruppe ist geschlossen gegen jede Art von Nicht-Zuteilung direkt gewonnener Mandate, aber auch ein Teil der CDU-Abgeordneten lehnt dieses Prinzip ab. Genauso kategorisch waren die Christsozialen aus Bayern bislang gegen eine Reduzierung der Wahlkreise bei der nächsten Wahl, auch dabei haben sie christdemokratische Abgeordnete auf ihrer Seite.

In einem internen Brief, der dem SPIEGEL vorliegt, bringen sich 36 namenhafte Unionsabgeordnete gegen den Vorstoß von Brinkhaus in Stellung. Vom „schlechtesten aller denkbaren Vorschläge“ ist die Rede. „Wenn wir nur einmal der Nichtzuteilung von direkt gewonnen Wahlkreisen zustimmen, ist das das Ende des Direktmandats und das Ende von Überhangmandaten“, schreiben die Politiker.

Der Vorschlag, die Mandate mit dem geringsten Erststimmenergebnis nicht ins Parlament ziehen zu lassen, sei eine „Pervertierung des Wahlrechts“, weil gerade die besonders umkämpften…