Wie stark die Bürger die Folgen der Corona-Rezession spüren, hat bislang vor allem mit zwei Faktoren zu tun: Zählen sie zu den mehr als zehn Millionen Beschäftigten, für die Firmen Kurzarbeit beantragt haben? Oder ist ihr Arbeitsplatz sogar akut in Gefahr?

Das Ausmaß der Folgen der Pandemiebekämpfung für den Arbeitsmarkt variiert stark von Region zu Region. Das zeigt eine detaillierte Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die dem SPIEGEL vorliegt.

In Emden Kurzarbeit für jeden Zweiten

Im März und April haben die Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit für 10,6 Millionen Personen angemeldet, das entspricht etwa 31,4 Prozent aller bundesweit sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. In einigen Städten und Kreisen liegt der Anteil allerdings noch deutlich höher. So wurde in Emden (56 Prozent) und Wolfsburg (52,2 Prozent) sogar für mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten Kurzarbeit angemeldet. Grund dafür ist an beiden Standorten die große Bedeutung der Volkswagen-Werke vor Ort, die zwischenzeitlich stillstanden.

Aus der Analyse geht zudem hervor, welche Branchen besonders stark auf Kurzarbeit zurückgriffen. Im Bereich des verarbeitenden Gewerbes waren das vor allen Dingen Betriebe aus der Metall-, Stahl- und Elektroindustrie. Am stärksten eingesetzt wird das Instrument der Kurzarbeit allerdings im von der Coronakrise stark betroffenen Gastgewerbe. Für 93,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Branche wurde im März und April Kurzarbeit beantragt.

Die Zahl der tatsächlich in Kurzarbeit geschickten Mitarbeiter lässt sich damit noch nicht bestimmen. Erst im Laufe des Jahres wird sich abschließend klären, ob – und wie weit – die Firmen die angemeldete Kurzarbeit auch tatsächlich voll nutzen. Hinzu kommt auch die Tatsache, dass ab Ende Mai vielerorts der Wirtschaftsbetrieb wieder angelaufen ist. Seitdem ist die Zahl der…