Im Bilanzskandal um den Dax-Konzern Wirecard werfen die Grünen auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) Versäumnisse vor.

«Es ist dringend erforderlich, dass Herr Scholz in der Causa Wirecard nicht nur aufklärt, welche Versäumnisse es in den Aufsichtsbehörden gegeben hat, sondern auch, warum das Finanzministerium selbst nicht früher tätig geworden ist», kritisierte Grünen-Chef Robert Habeck. Er habe den Eindruck, dass Scholz und die Führungsebene des Finanzministeriums sich nicht ausreichend mit dem Fall befasst haben, sagte Habeck der Deutschen Presse-Agentur: «Die Warnlampen leuchteten doch schon lange.»

Die Finanzaufsicht Bafin unterstehe dem Bundesfinanzministerium. «Da muss es im Rahmen der Dienst- und Fachaufsicht doch mindestens Nachfragen und Hinweise der Führungsebene und des Finanzministers gegeben haben, alles andere wäre nicht verantwortlich», so Habeck. Schließlich gehe es darum, Schaden von Deutschland als Finanzplatz abzuwehren.

Wirecard hatte Insolvenz beantragt, nachdem das Unternehmen eingestehen musste, dass in der Bilanz aufgeführte Barmittel von 1,9 Milliarden Euro, die angeblich auf asiatischen Bankkonten lagen, nicht auffindbar seien. Bafin-Präsident Felix Hufeld hatte die Ereignisse als eine «Schande» bezeichnet. Scholz kündigte eine schärfere Regulierung an. Hufeld soll an diesem Mittwoch im Finanzausschuss des Bundestags Rede und Antwort stehen. Als erste Konsequenz will die Bundesregierung den Vertrag mit der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR) kündigen. Der privatrechtlich organisierte Verein DPR kontrolliert im Staatsauftrag die Bilanzen.

Die Bafin hatte nach eigener Darstellung der DPR im Februar 2019 den Hinweis gegeben, dass es Ungereimtheiten in der Halbjahresbilanz 2018 von Wirecard gebe. Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» soll bei der auch als «Bilanzpolizei» bezeichneten DPR aber mit der aufwendigen Prüfung in den vergangenen 16 Monaten im Wesentlichen nur ein…