Im Zusammenhang mit dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach verfolgt die Polizei mehr als 30.000 Täterspuren. Es gehe dabei nicht allein um den Besitz und die Verbreitung von Kinderpornographie, sondern auch um schweren sexuellen Missbrauch von Kindern, sagte Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach in Düsseldorf.

„Ich habe nicht im Entferntesten damit gerechnet, welches Ausmaß Kindesmissbrauch im Netz hat“, erklärte Biesenbach vor Journalisten. Was die Ermittlungsgruppe zutage gefördert habe, sei „zutiefst verstörend“. Es handele sich um internationale pädokriminelle Netzwerke mit einem Schwerpunkt im deutschsprachigen Raum.

Aufforderung zu schweren Straftaten

In Gruppenchats mit Tausenden Nutzern und in Messengerdiensten gingen die Täter wie selbstverständlich mit ihren Missbrauchstaten um. Sie stachelten sich gegenseitig auf und gäben einander Tipps, etwa, welche Beruhigungsmittel man Kindern verabreichen könne, um sie sexuell zu misshandeln. „Wer zögert, wird von den anderen ermutigt und bedrängt, seine Absichten in die Tat umzusetzen“, sagte Biesenbach. In solchen Chats würden auch Verabredungen zum Missbrauch mehrerer Täter an einem Kind getroffen.

Nordrhein-Westfalens Justizminister Peter Biesenbach (rechts) und Oberstaatsanwalt Markus Hertmann

Der Minister kündigte an, eine eigene Taskforce von Cyber-Ermittlern werde am Mittwoch die Arbeit aufnehmen. Unter hohem Zeitdruck bemühten sich dann sechs Staatsanwälte zuerst um jene Fälle, bei denen davon auszugehen sei, dass der Missbrauch von Kindern fortgesetzt werde.

Erstes Urteil im Mai

Im Fallgeflecht Bergisch Gladbach konnten bundesweit bislang 72 Verdächtige identifiziert werden. Zehn von ihnen saßen zuletzt in U-Haft. Gegen acht Personen wurde bereits Anklage erhoben. Tausende Verdächtige, die per Pseudonym im Internet kommunizierten, seien noch nicht namentlich bekannt.

Ein Angeklagter im Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach Ende Mai vor Gericht in Moers

Der Missbrauchskomplex…