Köln, ein Freitagnachmittag Ende Juni. Die Einkaufsstraßen sind voll, in den Cafés ist kaum ein freier Tisch zu finden. Auch vor der Kölner Philharmonie, einer der größten in Deutschland, ist wieder Leben: Das WDR-Sinfonieorchester lädt zum ersten Publikumskonzert ein – beziehungsweise gleich zu zwei, denn der renommierte Klangkörper unter der Leitung von Christian Măcelaru gestaltet an diesem Abend zwei etwa einstündige Konzerte mit unterschiedlichen Programmen, um 18 und um 21 Uhr. Zum einen, um unnötige Begegnungen in der Pause zu vermeiden, zum anderen, damit möglichst viele Musikliebhaber nach einer über dreimonatigen Musik-Abstinenz wieder ein Konzert live erleben können.

Zur Enttäuschung vieler Musikliebhaber sind die Karten noch nicht im freien Verkauf zu erwerben. Die genau 440 Sitzplätze, die man nach Corona-Regeln im Saal der Kölner Philharmonie mit ihren insgesamt über 2000 Sitzplätzen besetzen darf, sind in einem Losverfahren unter dem Abonnement-Publikum verteilt worden. Die Nachfrage muss sehr hoch gewesen sein, denn viele gingen leer aus. Nur ungefähr jeder Dritte hatte Glück.

Mit Abstand: Schlange stehen vor der Philharmonie

Spätestens eine Dreiviertelstunde vor Konzertbeginn reiht man sich dann als die oder der Auserwählte in eine höchst disziplinierte und rekordverdächtig lange Schlange ein, die sich über mindestens 150 Meter erstreckt. Die Stimmung in der Schlange ist feierlich, geredet wird kaum. Bei einigen Damen passen die Masken, das neue Accessoire der Saison, farblich zum Outfit und weisen eine gewisse Eleganz auf. Die Herren bevorzugen auch beim Mundschutz schlichtes Schwarz.

Karten nur für Auserwählte

Wie bei der Bestellung schriftlich verordnet, halten alle ihre vorab ausgedruckten Tickets sowie ein in Blockschrift ausgefülltes „Formular zur Besucherregistrierung“ mit sämtlichen Personal- und Kontaktdaten in der Hand, ein Fehlen von Corona-Symptomen wird per Unterschrift versichert. Ein paar Glückssucher halten…