Donald Trump redet, und redet und redet. Er will gar nicht mehr aufhören. Gut 100 Minuten lang spricht der US-Präsident bei seiner ersten Kundgebung seit Ausbruch der Coronakrise vor seinen Fans in einer Sporthalle im Zentrum der Stadt Tulsa.

Das Coronavirus nennt er scherzhaft „Kung Flu“, einen Manager des Konzerns Boeing beschimpft er als „Hurensohn“. Er attackiert seinen demokratischen Rivalen Joe Biden als „Marionette Chinas“, als „Schlafmütze“, er wettert gegen den „linken Mob“ und gegen die „hinterhältigen Medien“.

Trump ist voller Wut. „Wir werden kämpfen und wir werden gewinnen, gewinnen, gewinnen. Amerika wird bald wieder durchstarten, wie nie zuvor“, ruft er seinen Anhängern zu. „Das Beste kommt erst noch.“

Wut herrscht auch draußen, vor der Halle. Zur gleichen Zeit stehen dort Hunderte Protestler, die gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren. Sie skandieren „Black Lives Matter“ und schimpfen auf den Präsidenten: „Fuck You Trump“, steht auf Schildern. Mehrere Hundertschaften von Polizei und Nationalgarde halten die Protestler in Schach und versuchen, zu verhindern, dass sie auf das Gelände vordringen, wo Trump sich von seinen Unterstützern feiern lässt.

Die Fans lassen Trump im Stich

Es ist ein seltsamer Tag in Amerika: Wie in einem Brennglas zeigt sich in Tulsa die Lage der Nation. Die USA sind ein gespaltenes, zorniges Land, viele Bürger sind orientierungslos, verunsichert – und an der Spitze steht ein Präsident, der mehr und mehr die Kontrolle über das Geschehen und seine eigene politische Zukunft zu verlieren scheint.

Trumps Umfragewerte sind im Keller. Joe Biden führt in einigen Erhebungen bereits mit mehr als zehn Prozentpunkten. Der Präsident muss etwas tun. In Tulsa wollte er eigentlich einen großen Neustart seiner Wahlkampagne feiern. Doch so wirklich gelingen will ihm das nicht.

Es sind erkennbar weit weniger Fans zu dem Großevent gekommen, als von den Organisatoren geplant. Ein Platz, auf dem der Präsident sprechen wollte, bleibt leer….