Das Universitätsstädtchen Princeton liegt in dem besonders stark vom Coronavirus betroffenen US-Bundesstaat New Jersey. Der Wirtschaftsnobelpreisträger Angus Deaton, 74, und seine Frau Anne Case, 61, haben sich deshalb in ihrem Haus eingeschlossen, beide gehören zur Risikogruppe. Das Ökonomenpaar veröffentlichte im Frühjahr das Buch „Deaths of Despair and the Future of Capitalism“. Es zeichnet den Absturz der weißen Arbeiterklasse in den USA nach, deren Einkommen seit Jahrzehnten nicht mehr steigt. Eine Mitschuld am Niedergang schreiben beide dem desolaten US-Gesundheitswesen zu.

SPIEGEL: Frau Case, Herr Deaton, die ganze Welt fragt sich, warum die Vereinigten Staaten so stark unter der Corona-Pandemie leiden. Haben Sie eine Erklärung?

Deaton: Wir sind keine Epidemiologen. Aber die Pandemie beweist einmal mehr, dass das US-Gesundheitssystem ein Sumpf ist. Das war schon vorher so, aber jetzt zeigt sich, wie groß die Probleme wirklich sind. Mehr als 30 Millionen Menschen haben im Zuge der Krise ihren Arbeitsplatz verloren – damit oft auch ihre Krankenversicherung.