34 Jahre lang war Herbert Schmalstieg Oberbürgermeister von Hannover. In der SPD ist er seit 60 Jahren. Schmalstieg hat nun etwas ausgesprochen, das viele Funktionäre und Abgeordnete bislang nur in Hintergrundgesprächen äußern, unter dem Siegel der Vertraulichkeit: große Unzufriedenheit mit den Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans.

Auf Glückwünsche der beiden zu seinem 77. Geburtstag reagierte Schmalstieg mit scharfer Kritik. „Es ist traurig, dass wir aus der 15-Prozent-Falle nicht herauskommen“, antwortete er Esken und Walter-Borjans in einem Schreiben, über das der „Business Insider“ zuerst berichtete. Nach seiner Überzeugung sei der Grund für die Krise, dass die SPD kein Gesicht habe, so Schmalstieg: „Leider erfüllt ihr diese Aufgabe nicht.“ Und weiter: Er wünsche sich Olaf Scholz nicht nur als Kanzlerkandidaten, Esken und Walter-Borjans sollten ihn beim nächsten Parteitag auch als neuen Vorsitzenden vorschlagen. Also bereits im März 2021.

Verspottet als Übergangsvorsitzende

Nun ist es gerade mal gut ein halbes Jahr her, dass die Doppelspitze sich gegen Scholz und Klara Geywitz durchgesetzt hat. In einem mehrere Monate dauernden Verfahren, gewählt von 53 Prozent der Mitglieder. Eigentlich haben Esken und Walter-Borjans damit eine stärkere Legitimation als ihre Vorgänger. Doch sie tun sich schwer im Amt, viele Genossen hadern mit ihnen. Sie werden als Übergangsvorsitzende verspottet, die den Ministern und der Fraktion möglichst wenig im Weg stehen sollen.

Öffentliche Unterstützung für die beiden gibt es eher selten. Nicht nur das Dauertief in den Umfragen wird der Doppelspitze angelastet, auch mangelnde Absprachen und ungeschickte Auftritte sorgen parteiintern für Unmut.

Auf Schmalstiegs öffentliche Kritik reagierten beide Parteivorsitzenden am Wochenende bei Twitter. Der ehemalige Oberbürgermeister bleibe ein SPD-Urgestein, schrieb Walter-Borjans, aber so zu antworten und das auch noch öffentlich, sei nicht gut: „Sollten wir…