SPIEGEL: Herr Lammert, Sie sind drei Jahre jünger als die CDU. Wer hat sich besser gehalten?

Lammert: Die Partei hat ganz sicher eine größere Zukunftsperspektive als ich.

SPIEGEL: 1966 sind Sie mit 18 Jahren der CDU beigetreten. Können Sie sich an den Tag noch erinnern?

Lammert: Ja, weil es mein 18. Geburtstag war. Das war nach der damaligen Parteisatzung der frühestmögliche Zeitpunkt für den Eintritt.

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Andreas Chudowski/ DER SPIEGEL

Norbert Lammert, Jahrgang 1948, ist Vorsitzender der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Zuvor war Lammert von 2005 bis 2017 Bundestagspräsident. Der CDU-Politiker gehörte dem deutschen Parlament 37 Jahre lang an. Lammert ist Herausgeber des Debattenbandes „Christlich Demokratische Union – Beiträge und Positionen zur Geschichte der CDU“, der am 27. Juli im Siedler Verlag erscheinen wird.

SPIEGEL: Warum sind Sie Mitglied geworden?

Lammert: Ich war bereits durch die Schule und meine Familie politisiert und schon drei Jahre lang in der Jungen Union. Vor allem hatte ich das Bedürfnis, mich aktiv mit dem damaligen Vorsitzenden der Bochumer CDU auseinander zu setzen. Dafür musste ich in die Partei eintreten.

SPIEGEL: Ihre Partei wurde vor 75 Jahren im Juni 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone in Berlin auf dem „Trümmerhaufen sittlicher und moralischer Werte“ ins Leben gerufen, wie es im Gründungsaufruf hieß, kurz zuvor hatte es im Rheinland die „Kölner Leitsätze“ für eine Parteibildung gegeben. Was ist noch übrig von dieser Gründungs-CDU?

Lammert: Die CDU war damals ja noch lange keine Partei, das muss man immer vorneweg sagen, sondern ein Zusammenschluss von ganz unterschiedlichen Menschen mit sehr verschiedenen Biografien und Erfahrungen, gemeinsam von der Überzeugung getragen, dass man nach dem Scheitern von Weimar und der Katastrophe des Nationalsozialismus etwas ganz Neues braucht. Daher nannte man sich Union und eben nicht Partei. Dies erklärt vielleicht auch, dass die CDU erst 1978 ihr…