Das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket der Bundesregierung für die Lufthansa droht an einer niedrigen Aktionärspräsenz auf der anstehenden Hauptversammlung zu scheitern. „Seit heute Nacht wissen wir, dass unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben“, heißt es in einem Brief von Lufthansa-Chef Carsten Spohr an die Mitarbeiter, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt.

Damit stehe fest, „dass bei der Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit erreicht werden muss, die nach jüngsten Äußerungen von wichtigen Aktionären insbesondere zu den Konditionen der Kapitalerhöhung nicht sicher erscheint“, schreibt Spohr.

Die Anteilseigner stimmen am kommenden Donnerstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über das geplante Rettungspaket ab. Liegt die Aktionärspräsenz bei unter 50 Prozent, ist eine Zweidrittelmehrheit der Stimmrechte nötig. Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele, der zuletzt gut 15 Prozent der Anteile hielt, hatte die Einigung zwischen dem Bund und der Lufthansa kritisiert und Nachverhandlungen des Rettungsplans gefordert. Ob er bei der Hauptversammlung dagegen stimmen würde, ließ Thiele dennoch offen.

Die Lufthansa fürchtet, dass die Präsenz der Aktionäre auf der Hauptversammlung zu niedrig ausfällt und Thiele den Rettungsplan blockieren könnte – mit ungewissem Ausgang für die Airline bis hin zu einer Insolvenz. Denkbar ist auch ein Schutzschirmverfahren, wie es die Fluglinie Condor derzeit durchläuft.

„Für den Fall, dass die Hauptversammlung keine Zustimmung für die Stabilisierungsmaßnahmen des Bunds erteilt, haben wir umfangreiche Vorbereitungen getroffen, unter anderem, um ein Grounding zu verhindern“, schrieb Spohr nun im Mitarbeiterbrief. „Auch würden wir die verbleibende Zeit bis zur Anmeldung einer Insolvenz nutzen, um mit der Bundesregierung Optionen zu besprechen.“

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