Im Fall einer Infizierung bekämen die Arbeiter die „bestmögliche medizinische Behandlung“ in Deutschland, sagte der nordrhein-westfälische Regierungschef nach Krisengesprächen im betroffenen Kreis Gütersloh. Diese medizinische Hilfe liege auch im eigenen Interesse der Arbeiter. Es würden nun so viele Dolmetscher wie möglich in die Unterkünfte der Beschäftigten geschickt. An den Krisengesprächen in Gütersloh nahmen auch Vertreter der Botschaften Rumäniens, Polens und Bulgariens teil.

Armin Laschet rief zugleich eindringlich dazu auf, die Quarantäne-Verordnungen einzuhalten. Drei Hundertschaften der Polizei unterstützen die Ordnungsämter dabei, die Quarantäne durchzusetzen. Drastische Einschränkungen des Alltags sollen dem Kreis Gütersloh vorerst erspart bleiben. Laschet stellte jedoch klar, dass ein regionaler Lockdown noch nicht vom Tisch sei. Das bleibe weiter eine Option, um die Infektionen unter Kontrolle zu bekommen.

Bislang ist nur Tönnies-Betrieb betroffen

Es gebe „ein enormes Pandemie-Risiko“, warnte Laschet. Das Infektionsgeschehen sei jedoch zumindest gegenwärtig bei der Firma Tönnies lokalisierbar, und es gebe keine Infektionskette in die übrige Bevölkerung der Region.

Noch geht es ohne regionalen Lockdown, sagt NRW-Regierungschef Laschet

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält den Verzicht auf einen lokalen Lockdown für falsch. „Der Ausbruch blieb so lange unentdeckt, dass er sich längst auf die Bevölkerung ausdehnen konnte“, mahnte er. Sicher ist: Die Zahl der Infizierten in der Fabrik in Rheda-Wiedenbrück stieg bis Sonntag nach Angaben des Kreises auf 1331. Insgesamt 6139 Tests seien gemacht worden, 5899 Befunde lägen vor, bei 4568 Beschäftigten sei das Virus nicht nachgewiesen worden.

In den vier Krankenhäusern im Landkreis werden derzeit 21 COVID-19-Patienten stationär behandelt. Davon liegen sechs Personen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden. Fünf der sechs sind nach Angaben des Kreises…