Ganz so leicht hat sich der prominente New Yorker Staatsanwalt Geoffrey Berman nicht geschlagen gegeben. Zunächst hatte er selbst zurücktreten sollen, wie er am Freitagabend nach eigener Aussage per Pressemitteilung des US-Justizministers William Barr erfuhr. Berman, der sich als Strafverfolger für Terrorismus, Finanzkriminalität und Korruption im US-Regierungssystem einen Namen gemacht hat, weigerte sich aber, der Ankündigung nachzukommen.

Am Samstag legte der US-Justizminister per Brief nach: „Da Sie erklärt haben, dass Sie nicht die Absicht haben, zurückzutreten, habe ich den Präsidenten gebeten, Sie mit dem heutigen Tag abzusetzen, und das hat er getan“, schrieb Barr in dem Brief, den mehrere US-Medien im Wortlaut veröffentlichten.

Donald Trump bestätigte das allerdings nicht. Vor Journalisten sagte der US-Präsident kurz vor seiner Abreise zu einer Kundgebung nach Tulsa im Bundesstaat Oklahoma, der Konflikt mit Berman sei eine Angelegenheit Barrs: „Das ist seine Abteilung, nicht meine Abteilung“, sagte Trump. „Ich bin nicht involviert.“

Kurzzeitig war unklar, ob Berman die Sache aussitzen würde, am Samstagabend (Ortszeit) gab er jedoch auf. Angesichts der Entscheidung von Justizminister Barr werde er die Leitung geschäftsführend an seine Stellvertreterin Audrey Strauss übergeben und „die Staatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York mit sofortiger Wirkung verlassen“, sagte Berman. Es sei ihm „die Ehre seines Lebens“ gewesen, als Staatsanwalt in dem Bezirk arbeiten zu dürfen. 

Klar ist: Berman ist für die US-Regierung unbequem gewesen. Seit seiner Berufung im Januar 2018 hatte Berman auch verschiedene enge Mitarbeiter Trumps im Visier. Seine Behörde ging unter anderem gegen Trumps früheren Anwalt Michael Cohen vor. Sie hat auch gegen den Trump-Vertrauten und früheren New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani ermittelt und dessen frühere Mitarbeiter Lev Parnas und Igor Fruman angeklagt. Der 60-jährige Jurist hatte sich in den vergangenen…