Natürlich kann noch ein kleines Wunder geschehen. Sollte der SV Werder am kommenden Wochenende daheim gegen den 1.FC Köln gewinnen und sollte gleichzeitig die Düsseldorfer Fortuna bei Union Berlin verlieren und sollte anschließend der SV Werder auch noch die Relegationsspiele gewinnen, dann bliebe er doch noch in der ersten Liga. Aber das sind so viele Konjunktive, dass nach dem vergeigten Auswärtsspiel in Mainz selbst der qua Funktion zum Durchhalten verdammte Coach Florian Kohfeldt feststellte: „Da ist erstmal viel Leere!“

Das 1:3 in Mainz und der damit entscheidend näher gerückte Abstieg in die 2.Liga markiert die vorläufig unterste Stufe des langen Abstiegs eines Klubs, der in den Nullerjahren eine echte Spitzenmannschaft stellte, die Bayern ärgerte und in der Doublesaison 2004 derart begeisternden Fußball spielte, dass auch in Saarlouis und Garmisch unzählige Jugendliche mit orangegrünen Trikots herumliefen, dem Werder-Chic jener Epoche. 

Goldenen Zeiten liegen weit zurück

Diese Zeiten sind lange vorbei, das zeigen die Abschlusstabellen des letzten Jahrzehnts. 2009/2010 lief der SV Werder zum letzten Mal auf Platz 3 ein, seitdem rangierten die Bremer stets nur im Mittelfeld, mal etwas weiter oben wie 2016/17, ansonsten aber immer schon gefährlich nah an den Abstiegsrängen. Zehn Jahre hintereinander also Platzierungen, die die schwindende Konkurrenzfähigkeit des Klubs zeigten. 

Philipp Köster: Kabinenpredigt

Philipp Köster, Jahrgang 1972, ist Gründer und Chefredakteur des Fußballmagazins „11 Freunde“. Er sammelt Trikots und Stadionhefte, kennt den rumänischen Meister von 1984 und kann die Startelf von Borussia Dortmund im Relegationsspiel 1986 gegen Fortuna Köln auswendig aufsagen: Eike Immel, Frank Pagelsdorf, Bernd Storck, … Außerdem ist er Autor zahlreicher Fußballbücher, unter anderem über die Geschichte der Fußball-Bundesliga, und wurde 2010 als „Sportjournalist des Jahres“ ausgezeichnet. Und vor allem:…