Noch läuft es gut für Thorsten Harke, erstaunlich gut. Der Mülheimer Unternehmer liefert Chemie- und Pharmaprodukte nach Großbritannien: Tabletten, Kosmetika, Desinfektionsmittel. Vieles davon ist gerade weltweit begehrt; die Roherträge seiner Unternehmensgruppe sind im ersten Halbjahr um etwa 25 Prozent gewachsen.

Und das Geschäft auf der Insel habe daran einen hohen Anteil, weil sich viele Marktsegmente „wegen Corona in einer Sonderkonjunktur“ befänden, sagt Harke.

Allerdings könnte sich die Lage rasch ändern. Wenn der britische Premierminister Boris Johnson nicht bald einen weitreichenden Handelsvertrag mit der Europäischen Union abschließt, kommt auf Harkes 165 Beschäftigte demnächst viel unproduktive Arbeit zu.

Großbritannien würde zu einem EU-Drittland wie Indien oder Ägypten, seine Leute müssten längere Transportzeiten einkalkulieren, Verträge ändern oder neue Vorschriften beachten: Importregeln zum Beispiel oder Produktzulassungen. Das treibt die Kosten, während neue Zölle zugleich die Erträge schmälern würden. „Um einige Prozent“, sagt Harke, könne der Brexit dann „die Roherträge drücken und manche Geschäfte unrentabel machen“.