Das Coronavirus hat viel Unheil angerichtet. Aber für das Klima, so meinen viele Umweltschützer, sei die Pandemie ein Segen. Seit die Seuche um die Erde zieht, wird weltweit weniger produziert und konsumiert, weniger geflogen und mehr zu Hause gearbeitet. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass der CO2-Ausstoß in diesem Jahr um acht Prozent abnehmen wird – der größte Rückgang in der Geschichte. Sollte die „Fridays for Future“-Bewegung den Erreger also zu ihrem Wappentierchen küren?

Besser nicht, so zeigen die Forscher des Berliner Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in einer neuen Studie. Zwar wird in der Coronakrise überall auf dem Globus weniger Energie verbraucht. Doch zugleich sorgen sich viele Regierungen nun wieder mehr um die Konjunktur als um das Weltklima, sodass die Pandemie dem gefährlichsten aller Umweltkiller zu einem unerwünschten Comeback verhelfen könnte: dem Kohlestrom.

China, der größte CO2-Emmittent der Welt, hat im ersten Quartal dieses Jahres fast so viele fossile Meiler genehmigt wie im gesamten Vorjahr. Und auch in anderen Schwellenländern gewinnen die klimaschädlichen Kraftwerke in der Krise an Attraktivität. „Die Gefahr ist groß“, sagt MCC-Direktor Ottmar Edenhofer, „dass viele Regierungen zur Belebung der Konjunktur wieder auf Kohlestrom setzen.“