Die deutsche Wirtschaft hat sich in der Coronakrise nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann gut geschlagen. Die schlimmste Phase sei vorüber, sagte er in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Zwar sei die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal sicher noch erheblich stärker gesunken als im ersten, aber „der Tiefpunkt dürfte mittlerweile hinter uns liegen, und es geht wieder aufwärts.“ Jedoch folge auf den scharfen Einbruch „nur eine vergleichsweise allmähliche Erholung“.

Der Bundesbankpräsident betonte, dass der Staat für den Fall einer Insolvenzwelle im Herbst genügend Spielraum habe, um die Wirtschaft erneut zu unterstützen. „Die Politik hat in einem schwierigen Umfeld schnell und beherzt reagiert, um Unternehmen und Beschäftigte zu schützen. Das war richtig.“ Die Politik dürfe sich aber nicht an die hohe Schuldenaufnahme gewöhnen – und müsse wohl immer wieder nachsteuern, da die weitere Entwicklung schwer absehbar sei.

„Wir müssen vermeiden, dass aus vorübergehenden Schwierigkeiten dauerhafte Probleme werden. Eigentlich gesunde Unternehmen sollten nicht kaputtgehen“, sagte Weidmann. „Wichtig ist, dass die Maßnahmen gezielt und temporär sind.“ Im Anschluss sei es entscheidend, wieder zu einem soliden Haushalt zurückzukehren.

Weidmann besorgt wegen Staatsbeteiligungen

Eine rechtzeitige Umsteuerung sei auch in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wichtig. „Es muss klar sein: Wenn die geldpolitische Normalisierung mit Blick auf die Preisentwicklung erforderlich wird, darf sie nicht aus Rücksicht auf die staatlichen Finanzierungskosten unterbleiben.“

Wenn zum Januar die Mehrwertsteuer, die zum 1. Juli für ein halbes Jahr von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von 7 auf 5 Prozent gesenkt wird, wieder auf ihren alten Satz erhöht wird, könnte die Teuerungsrate wieder nach oben ziehen. Die Inflation war in Deutschland im Mai auf den niedrigsten Stand seit mehr als dreieinhalb Jahren gefallen. Die…