Das Schicksal Alan Kurdis, der 2015 mit seiner Familie in einem Schlauchboot nach Griechenland flüchten wollte, ging um die Welt: Nur der Vater Abdullah Kurdi überlebte die Überfahrt, der Rest der Familie nicht, auch der dreijährige Junge starb. Zum Weltflüchtlingstag hat der WDR Abdullah Kurdi für ein Interview in seiner neuen Heimat Irak aufgespürt. Der Vater des ertrunkenen Kleinkinds schaut erschüttert darauf, wie sich die Flüchtlingspolitik seither verändert hat.

Neuer Sohn geboren

„Nach dem Unfall habe ich mich gefreut zu sehen, dass Länder ihre Grenzen und ihre Herzen für die Flüchtlinge geöffnet haben. Und dass sie sie mit Herzlichkeit empfangen haben“, sagte Kurdi in dem Interview. „Aber leider hat man nach zwei bis drei Monaten diese Herzlichkeit wieder vernachlässigt.“ Und: „Ich rate den Menschen ab, sich auf den gefährlichen Weg nach Deutschland oder egal in welches Land machen.“

Das Bild der Leiche Alan Kurdis am Strand des Urlaubsorts Bodrum hatte in Europa eine Welle der Solidarität angestoßen. Es beeinflusste vor fünf Jahren den Kurs der deutschen Flüchtlingspolitik. Inzwischen sind von einem türkischen Gericht in Mugla drei mutmaßliche Schleuser für den Tod des Jungen und weiterer Flüchtlinge schuldig gesprochen worden. Die Männer wurden zu jeweils 125 Jahren Haft verurteilt.

Die Gangart der europäische Flüchtlingspolitik dagegen ist zuletzt wieder deutlich härter geworden. Unter anderem aus Libyen werden neue Fluchtbewegungen erwartet. Dort wurde zuletzt ebenfalls der Leichnam eines Kindes angespült, der eines fünf Monate alten Mädchens.

Abdullah Kurdi hat laut WDR inzwischen wieder geheiratet und lebt in Erbil. Er ist demnach erneut Vater eines Sohnes geworden. Er heißt: Alan.

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